Update: Vollübertritt in „Abfertigung Neu“ jederzeit möglich! PDF Drucken E-Mail
Fachbereich Steuern und Rechnungswesen - labour law, social welfare law, payroll accounting
Arbeits- und Sozialrecht, Personalverrechnung
Geschrieben von: Gabriele Sprinzl / Michael Nemetz   
Montag, 25. Februar 2013

Eigentlich sollte ein Vollübertritt vom der „Abfertigung Alt“ in die Abfertigung Neu“ nur bis zum 31.12.2012 möglich sein. Doch kurz vor Jahreswechsel strich der Gesetzgeber die zeitliche Befristung, somit ist ein Vollübertritt weiterhin möglich!

 

Für alle Dienstverhältnisse, die vor dem 1.1.2003 begonnen wurden, gilt prinzipiell das alte Abfertigungsmodell. Abhängig von den Dienstjahren im Betrieb bekommt der Dienstnehmer bei Beendigung des Dienstverhältnisses (ausgenommen Entlassung oder Arbeitnehmer-Selbstkündigung) bis zu zwölf Monatsgehälter Abfertigung. Für alle Dienstverhältnisse die ab dem 1.1.2003 begonnen wurden, gilt das neue Abfertigungsmodell, in welchem der Dienstgeber 1,53% des Salärs in eine Vorsorgekasse einzahlt.

 

Es gibt die Möglichkeit vom alten ins neue Abfertigungssystem zu wechseln. Für den Arbeitgeber ergibt sich durch das neue Abfertigungsmodell ein einfaches, leicht kalkulierbares System, wobei die Rückstellungspflicht für Abfertigungsansprüche entfällt. Arbeitnehmer profitieren vor allem deswegen, weil im neuen System die Abfertigung bei Entlassung/Selbstkündigung nicht verfällt.

 

Für einen Wechsel ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber notwendig, dabei ist zu klären, wie viel der "alten" Abfertigung in das neue System übernommen werden. Je nach Verhandlungsgeschick nimmt der Arbeitnehmer (Achtung, gibt es einen Betriebsrat ist dieser prinzipiell Verhandlungspartner) mehr oder weniger der alten Abfertigung mit. Bei der Auflösung von Rückstellungen ist zu beachten, dass der Differenzbetrag zwischen Auflösungsertrag (gebildete steuerliche Rückstellung) und Aufwand aus der Übertragung (tatsächliche Zahlung an die Vorsorgekasse), auf fünf Jahre verteilt, steuerlich zu berücksichtigen ist.

 

Beispiel
Per 1.1.2013 werden Abfertigungsansprüche in Höhe von 300.000 Euro an eine Vorsorgekasse übertragen. Die Rückstellung beläuft sich auf 200.000 Euro.
Lösung:
Am Bilanzstichtag ist die Auflösung der Rückstellung gewinnerhöhend (EUR 200.000). Der Übertragungsbetrag darf soweit er dem Rückstellungsbetrag entspricht, gewinnmindernd abgesetzt werden, also werden EUR 200.000 abgezogen. Der Differenzbetrag zwischen tatsächlichem Übertragungsbetrag (EUR 300.000) und der Rückstellung (EUR 200.000) ist steuerlich über fünf Jahre zu verteilen, also dürfen EUR 20.000 (Differenz von EUR 100.000:5) im Jahr 2013 als Betriebsausgabe berücksichtigt werden.

 

Hinweis:
Man muss den Übertragungsbetrag übrigens nicht auf einmal an die Vorsorgekasse überweisen, eine Zahlung in Raten über maximal fünf Jahre ist möglich!