BFG: Kosten für Umgestaltung eines Wohnzimmers in behindertengerechtes Bad voll abzugsfähig PDF Drucken E-Mail
Fachbereich Steuern und Rechnungswesen - Income tax
Einkommensteuer
Geschrieben von: Gabriele Sprinzl / Michael Nemetz   
Freitag, 09. Januar 2015

Das Bundesfinanzgericht (BFG) hat kürzlich entschieden, dass die Kosten für die Umgestaltung eines Wohnzimmers in ein behindertengerechtes Badezimmer als außergewöhnliche Belastung voll abzugsfähig sein können.

 

 

Ein Ehemann sah sich aufgrund der Krankheit und Pflegebedürftigkeit seiner Frau gezwungen, das Wohnzimmer im Erdgeschoss in ein behindertengerechtes Badezimmer umzubauen. Das seit jeher vorhandene Badezimmer im oberen Stockwerk war für die Frau, die auf ihren Rollstuhl angewiesen war, nicht mehr erreichbar. Die Umbaukosten machte der Ehemann als außergewöhnliche Belastung geltend (ohne Anrechnung von pflegebedingten Geldleistungen und ohne Selbstbehalt), außerdem legte er die Zuschüsse, die er von Stadt, Land und Pensionsversicherungsanstalt erhalten hatte, offen.

 

Das zuständige Finanzamt schlug die Einladung zur Besichtigung des Hauses samt Umbauten aus. Aus den Unterlagen entschied die Behörde, dass lediglich Posten für Haltestangen, Stützgriffe und einem ausziehbaren Waschtischmischer abzugsfähig sind. Laut Behörde könnten nur die unmittelbar, nicht aber die mittelbar mit dem behindertengerechten Umbau in Zusammenhang stehenden Kosten anerkannt werden. Der Ehemann sah den Sachverhalt aber anders, daher musste das BFG entscheiden (RV/1100247/2012 vom 07.10.2014).

 

Die Richterin des BFG erklärte, dass sie sich zur Entscheidungsfindung ein Bild vor Ort machen müsse, so kam es zum Lokalaugenschein. Dabei stellte die Richterin fest, dass es sich um ein älteres Haus handelt, in welchem das zentral gelegene (einzige) Wohnzimmer in ein behindertengerechtes Badezimmer umgebaut wurde (breite Türen, Rollstuhlradius, Schwellenfreiheit, zugeschnittene Dusche und Toilette). Auch die bauliche Ausführung der Adaptionen sind laut Richterin bedürfnisgerecht, aber sparsam erledigt worden. Durch den Umbau ging das Wohnzimmer als Ort der familiären Kommunikation verloren, als solcher Ort kommt daher nur mehr die Küche in Betracht.

 

Nach dem Lokalaugenschein urteilte die Richterin, dass die Kosten für die Umbauten als Aufwendungen für Hilfsmittel ohne Selbstbehalt und ohne Anrechnung von pflegebedingten Geldleistungen als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig sind. Der Umbau musste laut BFG vorgenommen werden. Auch das Argument, dass mit dem Umbau eine Vermögensumschichtung – und keine Vermögensminderung – eintrat, negierte die Richterin. Denn die Wahrscheinlichkeit, das Haus mit zwei Bädern (eines davon behindertengerecht) und drei Toiletten, aber ohne Wohnzimmer ohne finanzielle Einbußen zu veräußern, ist derart gering, dass dieser Gegenwertgendanke verworfen werden kann.