10 ausgewählte Steuerspartipps für ArbeitnehmerInnen PDF Drucken E-Mail
Fachbereich Steuern und Rechnungswesen - Income tax
Einkommensteuer
Geschrieben von: Gabriele Sprinzl / Michael Nemetz   
Mittwoch, 14. Dezember 2016

ArbeitnehmerInnen haben 5 Jahre Zeit, eine freiwillige ArbeitnehmerInnenveranlagung beim Wohnsitzfinanzamt einzureichen. Das bedeutet, dass Sie heuer noch die Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2011 einreichen können.

 

Hinweis: Alle Beträge beziehen sich – soferne nicht anders erwähnt – auf das Jahr 2016 (Stand 07.12.2016). Die Tipps werden nur grundlegend dargestellt, und sollen einen Überblick verschaffen, was möglich sein kann. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte die Steuerexperten der SOT Wien.

 

„Freiwillige“ versus „verpflichtende“ ArbeitnehmerInnenveranlagung“

Grundsätzlich können ArbeitnehmerInnen frei entscheiden, ob sie eine ArbeitnehmerInnenveranlagung durchführen. Eine solche muss immer binnen 5 Jahren eingereicht werden (zB kann die ArbeitnehmerInnenveranlagung 2011 noch bis 31. Dezember 2016 eingereicht werden).

Liegen jedoch die Voraussetzungen für eine „verpflichtende ArbeitnehmerInnenveranlagung“ vor1, muss diese bis zum 30.9 des Folgejahres eingereicht werden.

 

Tipp I – Kleinverdiener

Hat man in einem Jahr wenig verdient oder hat man nicht durchgehend gearbeitet, lohnt sich die ArbeitnehmerInnenveranlagung fast immer – auch wenn man keine Lohnsteuer abgeführt hat. In solchen Fällen erhalten Sie seit 2015 bis zu 20% der bezahlten Sozialversicherungsbeiträge (maximal 220 €) als sogenannte Negativsteuer vom Finanzamt zurück. Ab 2016 steht Ihnen eine SV-Rückerstattung von bis zu 400 Euro (50% der gesetzlichen Sozialversicherung) zu. Besteht in zumindest einem Kalendermonat Anspruch auf das Pendlerpauschale, erhöht sich dieser Betrag erneut. Aber dies alles berechnet das BMF von Amts wegen.

 

Tipp II – Pendlerpauschale

Wenn nicht schon in der Lohnverrechnung ein Pendlerpauschale und -euro berücksichtigt wird, so kann dies in der ArbeitnehmerInnenveranlgung „nachgeholt“ werden.

 

Tipp III – Unterhaltsabsetzbetrag

Wer für ein Kind, welches nicht im selben Haushalt wohnt, nachweislich gesetzlichen Unterhalt zahlt, hat Anspruch auf einen monatlichen Unterhaltsabsetzbetrag in folgender Höhe (Werte ab dem Jahr 2009):

  • Für das erste Kind: 29,20 Euro,
  • Für das zweite Kind: 43,80 Euro und
  • Für das dritte und weitere Kinder: 58,40 Euro.

 

Tipp IV – Alleinerzieher-/Alleinverdienerabsetzbetrag

Alleinerziehende und Alleinverdienende kommen in den Genuss von Absetzbeträgen, die jeweils von der Anzahl der Kinder abhängig sind. Beim Alleinverdienerabsetzbetrag darf die der Partner/die Partnerin höchstens 6.000 Euro jährlich dazuverdienen. Außerdem müssen Sie Familienbeihilfe für mindestens ein Kind (mehr als sechs Monate) bezogen haben.

Die Lohnsteuer verringert sich einmal im Jahr jeweils um folgende Beträge für Kinder, für die Sie jeweils Familienbeihilfe erhalten:

  • 494 Euro bei einem Kind,
  • insgesamt 669 Euro bei zwei Kindern,
  • für jedes weitere Kind zusätzlich 220 Euro

 

Tipp V – Kinderbetreuungskosten geltend machen

Bis zu 2.300 Euro im Jahr können Sie pro Kind hier geltend machen. Vorausgesetzt, die Kinder haben das 10. Lebensjahr noch nicht überschritten und werden von einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, oder von einer „pädagogisch qualifizierten Person“ wie zB ausgebildeten Tageseltern betreut.

 

Tipp VI – Kosten für Aus- und Weiterbildung

Tätigen Sie Aufwendungen für beruflich veranlasste Aus- und Weiterbildungskurse, die nicht vom Arbeitgeber bezahlt werden, können Sie diese als Werbungskosten geltend machen (zB selbst bezahlte kaufmännische oder computertechnische Ausbildung). Auch Kosten für Sprachkurse können fallweise Werbungskosten darstellen.  Dabei sind die Kursgebühren, die Kursunterlagen, Prüfungsgebühren, Kopierkosten, aber auch die Fahrtkosten zum Kursort abzugsfähig.

 

Tipp VII – Kirchenbeitrag und Spenden

Für Beiträge an Kirchen- und Religionsgemeinschaften in der EU/EWR (sofern in Österreich anerkannt) können Sie 400 Euro seit 2012 jährlich geltend machen (für vorherige Zeiträume können Sie 200 Euro pro Jahr geltend machen). Spenden an begünstigte SpendenempfängerInnen sind seit 2012 bis 10 % der Einkünfte des laufenden Jahres anrechenbar (für vorherige Veranlagungszeiträume liegt die Grenze bei 10% der Vorjahreseinkünfte).

 

Tipp VIII – Sonderausgaben

Ohne Höchstbetrag und Einkommensgrenze können folgende Kosten als Sonderausgaben geltend gemacht werden:

  • Beiträge für freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung
  • Nachkauf von Versicherungszeiten (Schul- oder Universitätszeiten)
  • Abfindung von Rentenansprüchen
  • Steuerberatungskosten

 

Andere Sonderausgaben sind „Topf-Sonderausgaben“, welche nur zu einem Viertel berücksichtigt werden können. Zu den Topf-Sonderausgaben zählen:

  • Ausgaben für eine freiwillige Personenversicherung
  • Ausgaben zur Wohnraumbeschaffung
  • Ausgaben zur Wohnraumsanierung (sofern mit Eigenmittel/Darlehen finanziert und von einer befugten Fachkraft durchgeführt)

 

Tipp IX – Außergewöhnliche Belastungen

Es gibt außergewöhnliche Belastungen ohne Selbstbehalt, darunter fallen

  • Kosten für das Beseitigen von Katastrophenschäden, sowie
  • Mehrkosten, die wegen einer Behinderung oder
  • für eine notwendige Diätverpflegung entstehen.

 

Tipp X – Steuerfreier Zuverdienst

Erzielen Arbeitnehmer neben den Einkünften aus dem Dienstverhältnis betriebliche Einkünfte (zB aus einem Werkvertrag), sind diese zu 730 Euro/Jahr nicht anzuführen. Übersteigen die betrieblichen Einkünfte diese Grenze, muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

 

 

1 Wenn Ihr Einkommen im Jahr 2013 12.000 Euro übersteigt und folgende Punkte zutreffen, ist eine ArbeitnehmerInnenveranlagung verpflichtend:

Der Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag oder der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag wurden – trotz fehlender Voraussetzungen – bei der laufenden Lohnverrechnung berücksichtigt.

Sie haben im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension neben ASVG-Pension).

Das Pendlerpauschale zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe in Anspruch genommen wurde, oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.

Wenn unrichtige Angaben für die Steuerbefreiung von Kinderbetreuungskosten abgegeben wurden oder der Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen wurde.