Mieter kann für Schimmelbildung in Wohnung nicht mitverantwortlich gemacht werden. PDF Drucken E-Mail
Fachbereich Recht - Miet- und Wohnrecht
Geschrieben von: MMag. Franz J. Heidinger/Mladen Milovanovic   
Mittwoch, 22. November 2017

Wenn sich bei einer ortsüblichen Nutzung eines Wohnobjekts Schimmel bildet, kann dem Mieter seitens der Vermieterin kein Vorwurf gemacht werden, so der OGH. 

 

Der OGH beschäftigte sich kürzlich mit der Frage ob Mieter einer Wohnung durch normales Lüftungsverhalten Schimmelbildung verhindern können.

Erst nach Einzug bildete sich Schimmel an den Dachflächenfenstern und danach auch im Schlafzimmer. Trotz Verbesserungsversuchen  seitens der Vermieterin konnte keine Änderung erzielt werden.

Die Mieter erklärten danach den Mietzins um zuerst 30% und in weiterer Folge um 60% zu reduzieren.

Die Vermieterin klagte die Mieter auf den vorgeschriebenen Mietzins sowie auf die Räumung des Mietobjekts mit dem Argument, dass die Schimmelbildung auf ein Fehlverhalten der Mieter zurückzuführen sei. Die Beklagten wendeten ein, dass die Schimmelbildung durch Baumängel bedingt sei.

Das Erstgericht ging von einer Mietzinsminderung von 15% aus und der Räumung wurde nicht stattgegeben. Das Berufungsgericht gab der Berufung der Beklagten nicht Folge.

Der OGH hob die Entscheidungen der Vorinstanzen auf und verwies die Sache an die 1. Instanz zur neuerlichen Entscheidung. Das Gericht entschied, dass wenn ein Objekt zu Wohnzwecken vermietet wird, der Vermieter dafür einzustehen hat, dass der ortsübliche Gebrauch gewährleistet ist. Ist das nicht der Fall, müssen die Mieter von jeglichen Zinsen während der Dauer der Unbrauchbarkeit befreit werden.

Wenn die Unbrauchbarkeit vom Mieter zu vertreten ist, stehe keine Zinsminderung zu.

Dem Mieter soll der ordentliche Gebrauch des Wohnobjekts gewährleistet werden. Dem Mieter kann kein Vorwurf wegen Kochen, Atmen, Waschen, Aufstellen von Pflanzen, oder ähnlichem üblichen Wohnverhalten gemacht werden. Wenn die Schimmelbildung nicht durch ordentliches Lüftungsverhalten verhindert werden kann, ist sie dem Vermieter zuzurechnen.