Stärkerer Schutz für Urlauber durch das neue Pauschalreisegesetz PDF Drucken E-Mail
Fachbereich Recht - Private Law
Zivilrecht
Geschrieben von: Franz J. Heidinger / Laura Sanjath   
Dienstag, 03. April 2018

Das neue Pauschalreisegesetz mit dem die EU-Pauschalreiserichtline umgesetzt wird, sieht für Buchungen ab dem 1. Juli 2018 strengere vorvertragliche Aufklärungs-, Beratungs- und Informationspflichten für Reiseveranstalter und Reisevermittler vor. Konsumenten werden stärker geschützt, wenn zB Problemen auf der Reise auftreten oder Reiseveranstalter in Insolvenz gehen.

 

 

Der Pauschalreisebegriff wurde im Gesetz neu definiert bzw erweitert. Auch auf sogenannte verbundene Reiseleistungen sind die Regeln des PRG teilweise anwendbar. Neben Beförderungs-, Unterbringungs- und sonstigen touristischen Leistungen wird nun in §2 Abs 1 PRG auch explizit die Vermietung von Autos und bestimmten KFZ als eigene Art von Reiseleitung qualifiziert. Sonstige touristische Leistung sind zB Eintrittskarten für Konzerte, Themenparks, Ausflüge, Schipässe oder Wellnessbehandlungen. Die einzelnen Leistungen müssen 25% des Gesamtpreises ausmachen.

Als Pauschalreise gilt, wenn zumindest zwei verschiedene Reiseleistungen wie zB Hotel und Flug oder Mietwagen kombiniert gebucht werden. Diese Buchung kann in einem einzigen Vertrag erfolgen, aber auch separat vermittelte Verträge können als Pauschalreise gelten, wenn sie durch ein einheitliches Buchungsverfahren vor Zahlungszustimmung ausgewählt werden, zB die Zusammenstellung in einem Online-Warenkorb. Sobald ein Gesamtpreis, ein Komplettangebot, eine Pauschalreise oä angeboten, zugesagt oder nur beworben wird, stellt dies nach dem neuen PRG eine Pauschalreise dar. Auch sogenannte „click-through-Buchungen“, wenn der erste Vertragspartner bestimmte Daten (Name, E-Mail, Zahlungsdaten) an andere Unternehmer weiterleitet mit denen der Reisende daraufhin einen weiteren Vertrag schließt, qualifizieren sich als Pauschalreisen, wenn Buchungen innerhalb von 24 Stunden vorgenommen werden. Bucht man zB auf der Homepage einer Airline einen Flug und die Airline leitet die Kundendaten an einen Mietwagenanbieter weiter, sodass auf der Homepage des Mietwagenanbieters alle notwendigen Felder bereits ausgefüllt sind, so kommt eine Pauschalreise zustande, wobei die Airline als Reiseveranstalter gilt.

Im PRG neu geschaffen wurde der Begriff der verbundenen Reiseleistung, bei der im Gegensatz zur Pauschalreise separate Verträge geschlossen und gesondert bezahlt werden oder bei verbundenen Online-Buchungsverfahren mit anderen Unternehmer keine Weiterleitung von Kundendaten stattfindet. Die einzelnen Vertragspartner sind dabei grundsätzlich nur für die Erfüllung ihrer eigenen Leistung verantwortlich, während bei der Pauschalreise der Reiseveranstalter haftet. Im Gegensatz zu individuell zusammengestellten Reisen gilt der stärkere Insolvenzschutz  des PRG hingegen auch für  verbundene Reiseleistungen.