Veranlagung 2016: Selbst einreichen oder automatisch abwickeln lassen? Drucken
Fachbereich Steuern und Rechnungswesen - Income tax
Einkommensteuer
Geschrieben von: Gabriele Sprinzl / Michael Nemetz   
Donnerstag, 16. Februar 2017

Seit Jahresbeginn gibt es eine wesentliche Erleichterung im Bereich des Steuerausgleichs, wie die Arbeitnehmerveranlagung liebevoll genannt wird. Denn ab heuer kommt es unter gewissen Voraussetzungen zu einer automatischen Veranlagung. Ob für Sie eine beantragte Veranlagung besser ist, oder ob Sie gar die Plicht haben, einen Antrag selbst einzureichen, das können Sie diesem Artikel entnehmen.

 

Viele Millionen Euro werden von ArbeitnehmerInnen jedes Jahr nicht vom Finanzamt zurückgeholt. Dabei ginge es in vielen Fällen einfach, denn grundsätzlich muss nur eine Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt werden. Damit dieses Geld nun nicht weiter liegen bleibt, kommt mit 2017 die „automatisierte Arbeitnehmerveranlagung“. Grob gesagt: Im Falle einer Steuergutschrift bekommen Sie automatisch Geld vom Finanzamt in der zweiten Jahreshälfte.

 

Wann kommt es zur automatischen Arbeitnehmerveranlagung?

  • Sie sind nicht verpflichtet, eine Veranlagung durchzuführen „Pflichtveranlagung“1
  • Bis Ende Juni 2017 wurde kein Antrag auf Veranlagung für 2016 eingereicht
  • Die Veranlagung ergibt eine Gutschrift
  • Aufgrund der Aktenlage ist nicht anzunehmen, dass auch noch Werbungskosten, von der automatischen Datenübermittlung nicht erfasste Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder antragsgebundene Freibeträge (Kinderfreibetrag) oder Absetzbeträge (z.B. Unterhaltsabsetzbetrag, Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag) geltend gemacht werden.

 

Wie erfahre ich von einer Gutschrift?

All jene, die von dem Service profitieren werden, bekommen in der  zweiten Jahreshälfte Post vom Finanzamt. Darin wird die Behörde anführen, welche Kontodaten von Ihnen bekannt sind. Wenn diese aktualisiert werden müssen, dann haben Sie vier Wochen Zeit, dies zu melden. Danach überweist das Finanzamt Ihnen die Gutschrift und es wird Ihnen automatisch ein Bescheid zugestellt.

 

Warum erfolgt die Veranlagung erst in der zweiten Jahreshälfte?

Um abzuwarten, ob von Ihnen ein Antrag einlangt, in welcher zB Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen gemeldet werden. Um nachträgliche Beschwerden oder Änderungen zu vermeiden, führt das Finanzamt nur bei jenen Fällen die antragslose Veranlagung durch, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass die Steuergutschrift auch tatsächlich in der vorausberechneten Höhe verbleibt. Sollte zwei Jahre nach Ablauf des Veranlagungszeitraums noch keine Veranlagung eingelangt sein, wird im Fall einer Steuergutschrift von Amts wegen immer eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt. Für die Veranlagung 2016 wäre dies der Fall, wenn bis zum 31.12.2018 noch keine Steuerveranlagung für 2016 erfolgt ist.

 

Der Bescheid betreffend der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung ist falsch – was kann ich tun?

Dann können Sie innerhalb von fünf Jahren nach Ablauf des betreffenden Veranlagungszeitraums eine Arbeitnehmerveranlagung elektronisch oder mittels Formular einreichen. Dies ist dann sinnvoll, wenn in der antragslosen Veranlagung Abzugsposten wie zB Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen nicht oder falsch berücksichtigt wurden. Für die Veranlagung des Jahres 2016 haben Sie also auch im Falle einer antragslosen Veranlagung bis Ende 2021 Zeit zur Korrektur.

 

Werden Kirchenbeiträge und Spenden automatisch berücksichtigt?

Erst mit der Veranlagung des Jahres 2017. Bei der Veranlagung für das Jahr 2016 muss die Berücksichtigung von Kirchenbeiträgen und Spenden geltend gemacht werden.

 

Ein Tipp zum Schluss

Wenn Sie in den Jahren 2012-2016 keine Veranlagung gemacht haben (egal, ob im gesamten Zeitraum oder für einzelne Jahre), zahlt sich eine Veranlagung für diese Jahre in der Regel aus.

 

 

1 Wenn Ihr Einkommen im Jahr 2016 12.000 Euro übersteigt und folgende Punkte zutreffen, ist eine Arbeitnehmerveranlagung verpflichtend:

  • Der Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag wurde – trotz fehlender Voraussetzungen – bei der laufenden Lohnverrechnung berücksichtigt.
  • Sie haben im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension neben ASVG-Pension).
  • Das Pendlerpauschale zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe in Anspruch genommen wurde, oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.
  • Wenn unrichtige Angaben für die Steuerbefreiung von Kinderbetreuungskosten abgegeben wurden oder der Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen wurde.
  • Zufluss von bestimmten Bezügen (Dienstleistungsscheck, Aushilfskraft, Rehabilitationsgeld, Insolvenz-Entgelt-Fonds, etc..)
  • Ein Freibetragsbescheid wurde in der Lohnverrechnung berücksichtigt.